Reizdarmsyndrom - Darmflora rückt in den Focus

Probiotika erstmalig in neue Leitlinie Reizdarmsyndrom aufgenommen

Nach aktuellem Wissensstand sind 10-20% der Bevölkerung vom Reizdarmsyndrom RDS betroffen, wobei mehr Frauen als Männer unter ihm leiden. Damit ist RDS eine der häufigsten chronischen gastrointestinalen Erkrankungen. Umso bedeutender ist die aktuell erschienene Leitlinie Reizdarmsyndrom[1], herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). Sie definiert die Kriterien für die Erkrankung neu und gibt Ärzten eine genaue Handlungsempfehlung bei der Diagnose und Therapie. Ziel ist es, die Versorgung der Patienten zu optimieren. Erstmalig empfiehlt die neue Leitlinie die Gabe von Probiotika als eine evidenzbasierte Therapieoption bei RDS. Aktuellen Studien zufolge liegt beim Reizdarmsyndrom oft eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora vor. Probiotika - definierte lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge in aktiver Form in den Darm gelangen - können diese Störung positiv beeinflussen. Dies haben mehrere randomisierte kontrollierte Studien nachgewiesen.

Probiotika - Therapieoption bei allen drei Reizdarmtypen

Die Symptome des RDS sind vielfältig und uneinheitlich. Im Vordergrund stehen Darmbeschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und Meteorismus, die in der Regel von Stuhlgangveränderungen wie Diarrhöe und Obstipation begleitet werden. Hinzukommen können psychische Störungen und somatoforme Beschwerden, also Beschwerden, die keine erkennbare körperliche Ursache haben. Die Lebensqualität des Patienten ist in jedem Fall stark beeinträchtigt. Es werden drei Reizdarmsubtypen unterschieden: der Diarrhöe-dominante, der Obstipations-dominante und der gemischte bzw. alternierende Typ. Symptome, wie Blähungen, abdominelle Distension, Meteorismus oder Flatulenz können sich durch den Einsatz von Probiotika verbessern. Auch beim Obstipations-dominaten RDS Typ kann eine Gabe von Probiotika positive Effekte haben und versucht werden. Entscheidend für die Wirkung ist jedoch die Wahl des Bakterienstammes. Nicht jeder Bakterienstamm wirkt bei jedem Reizdarmtyp. Die probiotische Therapie ist ohne Nebenwirkungen und kann den Effekt anderer therapeutischer Maßnahmen unterstützen.

Reizdarmsyndrom: Veränderungen der Darmflora feststellbar

Neue Studien haben die Darmflora von Reizdarmpatienten im Vergleich zu gesunden Menschen untersucht. Die Mikrobiota-Analysen kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Zusammensetzung der Darmflora beim Reizdarm-Patienten im Vergleich zum gesunden Menschen signifikant unterscheidet. Das Vorkommen von Proteobakterien und Bakterien des Stammes Firmicutes ist beim Reizdarm erhöht. Acinobacter, Bacteroides und Bifidobakterien sind verringert. Zudem lässt sich im Stuhl von RDS-Patienten eine Zunahme der Bakterienspezies Veillonella und Lactobacillus mit gleichzeitig erhöhten Konzentrationen von Essigsäure und Propionsäure feststellen Der Einsatz von Probiotika kann auf die gestörte Darmflora positiv wirken. Diese Erkenntnis und die zunehmende wissenschaftliche Nachweislage haben dazu geführt, dass Probiotika als evidenzbasierte Therapieoption in die neue Leitlinie mit aufgenommen wurde.

 

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[1] Layer et al. 2011, www.dgvs.de/media/Leitlinie_Reizdarm_2011.pdf